Porsche 964 Targa in Schwarz im Hamburger Hafen

Auch wenn das klassische G-Modell von Porsche nach seiner Einführung im Jahr 1974 noch ganz klar in den Genen des Porsche 964 Targa liegen mag, lässt sich der puristische 964er durchaus als der dritte und letzte Teil der beliebten G-Modellreihe sehen. Doch im Vergleich zum „Ur-911er“ hat der Porsche 964 nur noch wenige Dinge gemeinsam. Eines davon ist jedoch die Eigenschaft, dass der  964 absoluten Kultstatus genießt und nicht nur aus Sicht der Porsche-Enthusiasten und Sammler ein absoluter Klassiker ist. Denn auch aus Investmentperspektive kann der Porsche 964 Targa ein echter Geheimtipp sein, wenn es um das Thema Geldanlage in Youngtimer geht – Spaßgarantie und Sportlichkeit inklusive.

1989: Neuzeit für das G-Modell

Der Porsche 911 ist ohne Frage ein absolutes Erfolgskonzept. Auch wenn der Sportwagenbauer aus Zuffenhausen zwischenzeitlich versuchte, auch andere Antriebs- und Fahrzeugkonzepte in der damaligen Modellpalette zu integrieren , wie etwa den 928er mit Transaxle und V8 Motorkonzept, führte langfristig einfach kein Weg um die Weiterentwicklung des Porsche 911 vorbei.

Porsche 964 Targa Frontansicht

Porsche 964 Targa: Optisch die 3. Auflage des G-Modells, technisch weitestgehend eine Neuentwicklung

Also setzte Porsche seine Entwicklungsabteilung abermals auf die Weiterentwicklung des G-Modells an und entwickelte den wohl ersten 911er, der sogar nach heutigen Maßstäben als echter dynamischer Sportwagen bezeichnet werden kann. Der erste seiner Art, der jedoch noch mit den für das G-Modell typischen, stehenden Scheinwerfen ausgestattet war und auch in Sachen Interieur absolute Übereinstimmung mit dem älteren Modellen der G-Modellserie überzeugt.

Porsche 964 Targa Lenkrad und Konsolentafel

Interieur des 964 Targa

Insbesondere der hier vorgestellte Porsche 964 Targa, das nach dem Konzept aus dem Jahr 1965 entwickelte „Sicherheitscabrio“, demonstriert eindrucksvoll den Spagat zwischen modernem Sportwagen einerseits und dem klassischen Puristen andererseits.

Eingeführt wurde der 964 zum Modelljahr 1989 als größte Weiterentwicklung, die das G-Modell seit seiner Geburt im Jahr 1973 jemals erfahren hat. Deshalb schien es unausweichlich, dass auch der modernste 911er mit der zur damaligen Zeit aktueller Technik, wie einem aus der Rally-Entwicklung stammenden permanenten Allradantrieb, Antiblockiersystem (ABS) und den für den Stand der Technik gängigen Servolenkung und Spiralfedern ausgerüstet wurde, anstatt auf die veralteten Drehstäbe zu setzen, die ihren Dienst in den Fahrwerken der G-Modelle sicherlich stets zuverlässig erfüllt haben.

Der 964 war mit dem Carrera 2 als reiner Hecktriebler sowie mit dem Carrera 4 als Allrad-Konzept erhältlich. Die Motorleistung des Porsche 964 reichte von rund 250 PS (184 kW) bei den Carrera-Modellen bis hin zu brachialen 360 PS (265 kW) im 964 Turbo. Letzteres Aggregat wurde zunächst mit 3.3 Litern, später sogar mit 3.6 Litern Hubraum im Maschinenraum befeuert. Nicht nur zur damaligen Zeit eine brachiale Leistung, die das präzise Fahrwerk des 964ers auch heute noch agil in den Asphalt brennt.

Auch wenn das Sicherheitsthema Airbags erst später Einzug in den 964er hielt, wurden die technischen Innovationen geschickt in ein Outfit aus leichten Kunsstoff-Stoßstangen und Schwellern eingepackt, die ansonsten immer noch das optische Gefühl eines klassischen G-Modells bieten. Lediglich die Karosserieteile wie Kotflügel, Türen, die Motorhaube – mit Ausnahme der Spoilertechnik sowie die Fronthaube wurden nahezu unverändert aus dem G-Modell übernommen.

Targa Bügel des 964

Sicherheit Black on Black: Porsche 964 Targa Bügel in mattiertem Schwarz

Porsche 964 Targa, Cabrio und Coupé

Wie für Porsche üblich, war auch der 964 in den drei gängigen Karosserieformen Coupé, Cabrio und Targa erhältlich. Dazu gesellten sich weitere seltene Ausbauformen des 964, wie den 964 WTL (Werksturbolook), der an die Erfolgsgeschichte des 911er WTL-G-Modells M491  anknüpfte, sowie den 964 Speedster, Turbo S oder die legendäre 964 RS 3.8 und RS America, der aufgrund der behördlichen Beschränkungen als Weiterentwicklung des ursprünglichen RS nötig war, um die Erfordernisse für den amerikanischen Markt erfüllen zu können.

Neben dem Sondermodell 30 Jahre 911 zählt insbesondere der 964 aus Investment-Perspektive zu den attraktivsten 911ern überhaupt. Auch rund 30 Jahre später liegen die Einstiegspreise für gut erhaltene Fahrzeuge noch immer deutlich überhalb von 50.000 bis 70.000 Euro, Tendenz steigend. Grund dafür ist – wie so oft – die verhältnismäßig geringe Stückzahl gebauter 964er mit Seltenheitsfaktor. Das liegt natürlich auch daran, dass der 964 insgesamt nur 4 Jahre gebaut wurde. Ideale Ausgangslage für Sammler und Enthusiasten!

90’s Kid from the Sixties

Nur wenige Sportwagen schaffen einen so gelungenen Spagat zwischen absoluter Automobilhistorie und sportlicher Fahrleistung. Die im Porsche 964 Targa geschickt kombinierten technischen Raffinessen der 90er Jahre erschaffen zusammen mit in dem Look eines puristischen Sicherheitscabriolets der 1960er Jahre ein absolut einzigartiges Fahrgefühl, das in jeder Straßenlage absolut ehrliche Emotionen auslöst.

Angesichts der nur etwas mehr als 4.800 gebauten Einheiten des 964 Targas ist es kein Wunder, dass dieser reinrassige Sportwagen zum Liebling vieler Youngtimer-Fans geworden ist, in deren Herzen seit jeher ein luftgekühlter Sechszylinder-Boxermotor mit Trockensumpfschmierung für den Vorschub sorgt. Insgesamt belieft sich die vierjährige Gesamtproduktion des Porsche 964 auf rund 62.000 Fahrzeuge.

Porsche 964 Motor

Das Aggregat: Luftgekühlter 6-Zylinder Boxermotor mit 250 PS und 3.6 Litern Hubraum

Mit seinen 3.6 Litern Hubraum holt der serienmäßige 964er nicht nur 250 PS bei 6.100 U/min auf die Straße, sondern auch ein optimal abgestimmtes Fahrgefühl, das über das harmonische 5-Gang Getriebe des 911ers präzise eingestellt werden kann. Ganz egal, ob der 964er mit 310 NM bei 4.800 U/min bei hochtourigen Lastwechseln im 3. und 4. Gang auf der Passstraße kreischend durch die Kurven zirkuliert, oder ob der Porsche einfach nur gemütlich auf der Landstraße dahingleitet – nicht nur das gut abgestimmte Fahrgefühl lässt sich in allen Kurvenlagen erdenklich gut genießen.

Lederinterieur Schwarz Porsche 964 Targa

Porsche 964 Targa Interieur in farblich abgestimmtem Leder

Auch der verhältnismäßig geringe Kraftstoffverbrauch des optimierten Boxermotors überrascht angenehm. Bei sportlicher Fahrweise mit gelegentlichen Verschnaufpausen auf der Landstraße begnügt sich der 250-PS-Bolide mit recht geringen 9-10 Litern auf 100 Kilometer. Moderne Biturbo-Aggregate mit vergleichbarer Leistungsentfaltung können sich hier zum Teile einige Stücke vom Kuchen des 964ers abschneiden.

Für alle Geschwindigkeits-Fanatiker: Der 964 3.6 sprintet aus dem Stand in rund 5.7 Sekunden auf Tempo 100. Erst bei 260 km/h ist die Leistungskurve am Ende. Mehr muss ein Youngtimer mit hervorragender Laufkultur aber auch wirklich nicht hergeben, oder?

Wertsteigerung, Perspektive und Kosten

Der seltene 964 Targa ist mit seiner stabilen Wertentwicklung der letzten Jahre zwar kein absoluter Geheimtipp, aber dennoch eine solide Basis für das Investment in klassische Porsche. Zusammen mit unserem Partner für klassische Porsche fineeleven.com haben wir die Wertentwicklung des 964 über die letzten Jahre fein analysiert und detailliert in unserem Investment Workshop für klassische Porsche 911 zusammengefasst. Preislich ist der 964 gerade in seinen Serienausführungen zu recht moderaten Einstiegspreisen erhältlich.

Dafür erhält man als Käufer ein sehr ausgereiftes „G-Modell“ in dritter Generation, das alle Vorzüge der klassischen 911er in ein technisch passendes Kleid steckt, in dem jeder Liebhaber seinen Spaß haben wird! Unsererseits eine klare Kaufempfehlung für diesen 911er.

Fotos von Roman Rätzke